Pot Shop Boyz
kuratiert von Sofia Ohmer & Florian Waldvogel mit einem Ausstellungsdisplay von Kathrin Aste
FR 19.06.26, 19:00 ERÖFFNUNG und 30 JAHRE KUNSTRAUM INNSBRUCK
Pot Shop Boyz knüpft an die Reihe „Begehbare Gedanken“ der Modernen Sammlung der Tiroler Landesmuseen mit einer thematischen Konzentration auf die künstlerische Arbeit mit Keramik an. Im Zentrum steht das Formbare, das Erdige, das Dauerhafte und zugleich Fragile, kurz: ein Medium, das anthropologisch ebenso tief verankert ist wie künstlerisch aufgeladen.
Die Ausstellung verknüpft verschiedenste keramische Techniken und Materialzugriffe, stellt narrative wie skulpturale Ansätze einander gegenüber und formt ein sammlungsübergreifendes Tableau, das sich mit Fragen von Körper, Funktion, Handwerk und Repräsentation beschäftigt. Seit dem 19. Jahrhundert wird keramische Arbeit häufig im Schatten künstlerischer „Hochformen“ verhandelt. Sie gilt als funktional, dekorativ, gar häuslich, und ist gerade deshalb Projektionsfläche für kulturell tief verwurzelte Stereotype über Geschlecht, Arbeit und Wert.
Doch die in dieser Präsentation versammelten Objekte entziehen sich bewusst diesen Zuschreibungen: Sie karikieren die Vorstellung von Keramik als bloßem Gebrauchsobjekt und setzen an ihre Stelle eine kritische Selbstreflexion über das Material, seine symbolische Bedeutung und die gesellschaftliche Bewertung handwerklicher Praxis. Die Objekte sind keine „Töpferei“, keine „Gefäße“ im herkömmlichen Sinne, sondern Form gewordene Kommentare, die das Verhältnis zwischen Material, Formgebung und sozialer Erwartung ausloten.
Die Ausstellung zeigt, wie keramische Prozesse als widerständige Strategien fungieren: Verdrehung, Verformung, Brechung, Glasur und Brennung – all das wird hier zum semantischen Vokabular, das Konventionen unterläuft. Die Werke aus zwei Jahrhunderten eröffnen gemeinsam ein Experimentierfeld, in dem keramische Arbeiten zwischen Figuration und Abstraktion, Oberfläche und Tiefe, historischer Funktion und zeitgenössischer Bedeutungsproduktion oszillieren.
In ihrer dialektischen Gegenüberstellung bilden die Objekte ein offenes System von Bezügen, ein zirkulierendes Archiv, das sich gegen jedes autoritative Verständnis von Material oder Medium sperrt. Die Keramik wird hier nicht museal konserviert, sondern kontextuell aktiviert: Sie verlässt die Nische des Dekorativen und beansprucht Raum als konzeptionelle Ausdrucksform mit eigenem epistemischem und skulpturalem Wert.
Pot Shop Boyz präsentiert sich somit als keramisches Kompendium: eine „Materialkunde“ des Anderen, ein Palimpsest aus Referenzen, Zitaten, Abdrücken und Transformationen. Die Exponate folgen einer Logik der Intermaterialität, in der Glasur auf Idee trifft, Form auf Kritik, Funktion auf Ironie. Die Ausstellung ist ein offener Resonanzraum, der das Verhältnis von Natur, Kultur und Körper nicht illustrativ abbildet, sondern materiell verhandelt.
Die Werke von gelatin, Elmar Ottenthal, Michèle Pagel, Karl Pfeifle, Elisa Schober und Rosemarie Sternagl werden erstmals in Innsbruck gezeigt und hinterfragen unsere gängigen Vorstellungen von Materialität als kulturelle Codierung. Sie verweigern sich der Differenz zwischen „Kunst“ und „Handwerk“, zwischen „hoher“ und „angewandter“ Form.
VERANSTALTUNGEN WÄHREND DER AUSSTELLUNGSZEIT
FÜHRUNG
26.06.26, 17:00
KURATOR:INNEN FÜHRUNG
MIT SOFIA OHMER & FLORIAN WALDVOGEL
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09.07.26, 17:00
KURATOR:INNEN FÜHRUNG
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