06. 09. – 31.10.

CRISTINA LUCAS

TODBRINGENDES LICHT

Cristina Lucas, From the Sky down, video still, 2013

Cristina Lucas, From the Sky down, video still, 2013

http://en.wikipedia.org /wiki/Aerial_warfare#mediaviewer/ File:MiG-17_shot_down_by_F-105D_3_June_1967.jpg

Cristina Lucas, From the Sky Down, 2010-2014, Installationsansicht Kunstraum Innsbruck. Foto: Christian Vorhofer/ Kunstraum Innsbruck

Cristina Lucas, From the Sky Down, 2010-2014, Installationsansicht Kunstraum Innsbruck. Foto: Christian Vorhofer/ Kunstraum Innsbruck

Cristina Lucas, From the Sky Down, 2010-2014, Installationsansicht Kunstraum Innsbruck. Foto: Christian Vorhofer/ Kunstraum Innsbruck

Cristina Lucas, From the Sky Down, 2010-2014, Installationsansicht Kunstraum Innsbruck. Foto: Christian Vorhofer/ Kunstraum Innsbruck

Cristina Lucas, From the Sky Down, 2010-2014, Installationsansicht Kunstraum Innsbruck. Foto: Christian Vorhofer/ Kunstraum Innsbruck

Cristina Lucas, From the Sky Down, 2010-2014, Installationsansicht Kunstraum Innsbruck. Foto: Christian Vorhofer/ Kunstraum Innsbruck

Die spanische Künstlerin Cristina Lucas (1973) zeigt im Rahmen der Ausstellung „Todbringendes Licht“ erstmalig Werke im Österreich. Kulturelle, soziale und politische Themen stehen zentral im Werk der Künstlerin. Der signifikante Ausstellungstitel „Todbringendes Licht“ steht für die Fliegerbomber, die sich zu Kriegszeiten besiedeltem Gebiet näherten und Bomben auf die zivile Bevölkerung abwarfen. Für ihre Drei-Kanal-Videoinstallation „From the sky down“ recherchierte Lucas die Geschichte aller weltweit dokumentierten Luftangriffe, die eine neue Ära des kriegerischen Grauens einläutete und erstmals die zivile Bevölkerung in die strategische Kriegsführung involvierte.

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit selbst und wurde in der Mythologie meist mit dem Göttlichen in Verbindung gebracht. Doch kaum war die alles verändernde Formel zum Fliegen gefunden, wurde die neue Errungenschaft auch zu destruktiven Zwecken genutzt. Ausgangspunkt der Drei-Kanal-Videoinstallation im Hauptraum des Kunstraum Innsbruck waren Cristina Lucas‘ umfangreiche Recherchen zur Geschichte der Luftangriffe – denn die Erfüllung des Traums vom Fliegen, die es erlaubte aus der Höhe neue Perspektiven zu gewinnen, bedeutete nicht nur das Ende eines Mythos, sondern auch eine neue Ära der Kriegsführung. Minutiös verzeichnet Cristina Lucas‘ Videokartografie alle dokumentierten Bombeneinschläge mit zivilen Opfern seit 1912. Denn seitdem – das offenbart selbst ein kurzer Blick auf die über vier Stunden dauernde Filminstallation – finden auf der Erde permanent Luftangriffe statt. Auch für die vermeintlich friedliche Zeit zwischen den Weltkriegen sind unzählige Bombardements auf der ganzen Welt dokumentiert. Unterteilt ist das Projekt in drei Kapitel: Der erste Teil reicht von 1912 bis 1945, dem Jahr des ersten Atombombenabwurfs. Das zweite Kapitel führt bis ins Jahr 1989, schließt also mit dem Ende des Kalten Krieges und mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ab. Das dritte Kapitel reicht bis zum ersten Irak Krieg 1991, in der die Hochtechnologie auch in der Luftkriegsführung immer bestimmender wurde.

Das Video „Piper Prometheus“ kommentiert ebenso den Wunsch zu fliegen, da Prometheus, dem Mensch das Feuer, das Geheimnis der Götter zeigte. Im Video zieht das Flugzeug Piper die physikalische Formel L = (1/2) d v2 s CL hinter sich her, die das physikalische Prinzip zu Fliegen bezeichnet, so als ob sich das kleine Flugzeug selbst vor Augen halten müsste, warum es in die Luft abhebt. Jedoch wurde jene Errungenschaft der Wissenschaft, die Lüfte zu erobern, auch zum todbringenden Moment in der Kriegsgeschichte, da mit der Erfindung der Luftschifffahrt 1909 erstmalig im Italienisch-Türkischen Krieg 1912 über Taguira, dem heutigen Libyen, Propeller-Maschinen Handgranaten über bevölkertes Gebiet abwarfen und erste zivile Todesopfer bedingte.

In diesem Sinne widmet sich die Ausstellung im Kunstraum Innsbruck dem Gedenkjahr 1914, um eindringlich auf die Notwendigkeit einer globalen Friedensdiplomatie hinzuweisen und kritisch jegliche kriegerischen Handlungen zu untersuchen.

In Spanien macht die Künstlerin Cristina Lucas (geboren 1973 in Jaén, lebt in Madrid) seit vielen Jahren durch ihre politischen Installationen, Filme, Performances und Zeichnungen von sich Reden. Häufig setzt sie sich in ihren Arbeiten mit kulturellen, sozialen und politischen Machtstrukturen auseinander, vermag es jedoch, ihre offene Kritik mit einem mitunter spielerischen Ansatz zu verbinden und ihr Publikum mit schönen, theatralisch-kraftvollen Bildern zu verführen.

Cristina Lucas studierte an der Universidad Complutense de Madrid und University of California, Irvine. Einzelausstellungen widmeten ihr unter anderem das Centro Andaluz de Arte Contemporáneo (CAAC), das Museo de Arte Contemporanea (MAC) in Santiago de Chile, das Museo Amparo Puebla, Mexikostadt und Stedelijk Museum Schiedam. Zuletzt waren ihre Arbeiten in einer Überblicksschau im Madrider Matadero zu sehen. Zudem war sie an vielen internationalen Gruppenausstellungen wie im Sternesenmuseet in Oslo, dem Museo Thyssen-Bornemizsa in Madrid oder im Moscow Museum of Modern Art (MMOMA) beteiligt.

Karin Pernegger, Kunstraum Innsbruck

 




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