Helden von heute, Ausstellungsansicht Projektraum 2010

Helden von heute, Ausstellungsansicht Projektraum 2010

Helden von heute, Ausstellungsansicht Projektraum 2010

HELDEN VON HEUTE

09.06.10 - 31.07.10

Robert Gfader, Joe Hardesty, Moussa Kone, Robert Muntean, Katrin Plavcak, Alfons Pressnitz, Bianca Regl, Georg Ritter, Lila Rock, Iv Toshain
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Man stelle sich eine Stadt vor ohne Professionalisierungsdruck, ohne Modegefühl, ohne Sperrstunde, eine langsame Stadt, die ihren Um - und Aufbruch nun schon fast vor einer ganzen Generation erlebt hat.
Warum Berlin? Berlin ist arm, schmutzig und vor allem billig. Berlin ist gemütlich. Berlin ist immer noch im Wandel, zumindest insoweit als dass man sich die Fluktuation vormachen kann, wenn man sie aus Argumentationsgründen braucht. Grund genug für die sieben in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen und 6.991 weitere Gemeldete Berlin zumindest zeit- bzw. teilweise zu ihrem Wohnsitz zu machen. Und vielleicht auch wegen eines Mangels an Optionen: Wegen der Enge Wiens, der Abgelegenheit Sofias, der Unerschwinglichkeit Londons. Auf alle Fälle haben sich die hier vorgestellten Künstler für diese Stadt entschieden und sich dann hier kennen gelernt, wahrscheinlich in einer mit Kerzenlicht ausgeleuchteten Bar, in der die Tapete von der Wand blättert und in der sieben Flaschen Bier weniger kosten als ein Bleistift in Paris. Auch sonst haben unsere Helden einiges gemeinsam. Sie sind jung, schön und in Umständen aufgewachsen, an denen man sich schwer reiben kann, an den vorteilhaften Enden von Überflussgesellschaften und Informationszeitaltern, sie sind gewöhnt an Mobilität, Flexibilität, Konsum und Individualismus. Sie sind gebildet, ausgebildet und kritisch, und jeder von ihnen hat seine eigene Sprache entwickelt. Seien es verschwommene Introspektiven oder mit exaktem Messer entfernte Generalaufnahmen der archivierenden und organisierenden Gesellschaft, prosaische Schnappschüsse regenbogenfarbiger Nervenkrankheiten oder von Farbe und Gelatine tropfende Bilder der Konsumsünde. Seien es Unheimlichkeiten, die sich in in dunklen Wäldern schwebenden Diamanten, in brav von Straßenarbeitern abgesperrten schwarzen Löchern manifestieren oder gesichtlose Figuren, die zu einem scheinbar universell nachvollziehbaren Ritual tanzen. Dennoch hindert die Diversität der Arbeit die Künstler nicht an einem regen Diskurs, den sie pflegen, und der weitab von einer Idealkunst liegt, sondern vielmehr in der postmodernen Collage des «anything goes» wurzelt. Verhandelt wird um nichts Geringeres als die Wahrnehmung von Wirklichkeit. Thematische Herangehensweisen enden immer im gemalten, gezeichneten, geschnittenen Bild, das für sich stehend, losgelöst vom eigentlichen Inhalt, auch gerne neu gelesen werden kann. Somit sind die Arbeiten keiner strengen Ideologie unterworfen. Sie schweben vielmehr frei im Raum, treffen sich an den ungewöhnlichsten Stellen, gehen kurzzeitige Verbindungen ein, um sich dann aber wieder voneinander zu entfernen und erneut ihre unbestimmte Reise anzutreten.

Bianca Regl, Robert Muntean


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