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The Beauty of Intimacy - Lens and Paper

24.November 2001 - 12.Jänner 2002
Mit rund 200 Arbeiten von 59 Künstlern aus 18 Ländern bietet die Ausstellung 
The Beauty of Intimacy - Lens and Paper - im Kunstraum Innsbruck einen internationalen Querschnitt durch das zeitgenössische Kunstschaffen. Wie schon der Titel verrät, wurden ausschließlich Arbeiten ausgewählt, die sich unter den Stichworten Lens and Paper zusammenfassen lassen. Arbeiten auf Papier und solche, die mit Hilfe einer Linse gemacht wurden, also Fotografien, Videos und Filme. Im Zentrum der meisten Arbeiten steht der Mensch und damit das Menschenbild, das sowohl in Porträts wie auch in szenischen Entwürfen immer wieder hinterfragt wird. Als "Zeitbild" - wenn auch ohne Verbindlichkeit - kann die Schau gelesen werden, weil alle gezeigten Werke in den vergangenen zwanzig Jahren, die meisten sogar nach 1990 entstanden sind.

Obwohl selten das explizite Sujet von Kunstwerken, ist die Zeit auf einer Metaebene implizit stets präsent, als Zeitgenossenschaft oder historische Verortung ebenso wie als Produktionszeit oder in den Bildern immanent vorhandener Zeitbegriff. Betrachtet man die Ausstellung The Beauty of Intimacy - Lens and Paper unter diesen Aspekten, so eröffnet sich ein Panorama an Zeiteinheiten, die sich überlagern, widersprechen, aber auch untereinander Interpretationshinweise liefern. Jedes Werk, sei es statisches Bild oder dynamische Bildfolge, trägt Zeit in sich. In der Organisation und Reorganisation der inszenierten Bewegung der Formen steht die Zeit als Produktionsfaktor zwischen Subjekt (Künstler) und Objekt (Kunstwerk). Direkt übersetzen läßt sich unsere lineare Zeitauffassung auf die Zeichnungen, in denen sich die dynamische Bewegung eines Stiftes durch Raum und Zeit auf dem Papier manifestiert. Dagegen verführt die scheinbare Unmittelbarkeit der Fotos, ihr Wirklichkeitscharakter, allzuleicht dazu, die Zeitabhängigkeit gerade dieses Mediums zu vergessen. Nicht nur entscheidet hier die Belichtungszeit maßgeblich über das Resultat, sondern zumindest die traditionelle, nicht digital manipulierte Fotografie ist das Medium des Augenblicks schlechthin, der Bildbeweis für das zeitweilige Vorhandensein des Abgebildeten. Nur selten geht es in den hier ausgewählten Werken um den richtigen Moment, den Schnappschuß. Fotokunst, wie sie sich hier präsentiert, ist die Organisation des Visuellen mit Hilfe der Inszenierung einer Vision. Ob dabei vorhandenes Bildmaterial refotografiert (Richard Prince), Regie vor der Kamera geführt (Alicia Framis, Sharon Lockhart) oder das Bild nachträglich bearbeitet wird (Mariko Mori, Piplotti Rist), ist dabei nur von sekundärer Bedeutung. Entscheidend ist die Möglichkeit ein Bild zu entwerfen, Wirklichkeiten zu provozieren, visuell Hypothesen aufzustellen und diese in die Realzeit einzuspeisen ohne sie darin aufgehen zu lassen.

The Beauty of Intimacy versammelt Kunstwerke, die einen Gegenentwurf zu den objekt- oder handlungsbezogenen Bildern darstellen, mit denen die Werbung und die Unterhaltungsindustrie den Betrachter überfluten. Der Mensch erscheint nicht als soziales Wesen oder kommunizierendes Subjekt. Gezeigt werden vereinzelte, isolierte Figuren (Lothar Hempel, Hellen van Meene), Metamorphosen des Menschlichen (Angus Fairhurst, Fabrice Hybert), Behausungen der Leere (Rachel Whitread). Wenn überhaupt narrative Momente aufgegriffen oder Kontexte angeboten werden, so sind diese widersprüchlich oder zumindest uneindeutig. Gerade in dieser semantischen Unverbundenheit aber, die als Ergebnis sorgfältiger Konstruktion begriffen werden muss, liegt die Virulenz und Aktualität der gezeigten Arbeiten. Sie verweigern sich einer eindeutigen Lesbarkeit, indem sie alle zeitlichen und räumlichen Orientierungspunkte auf ein Minimum reduzieren und dadurch bewusst eine Distanz zwischen dem Rezipienten und der abgeschlossenen Entität des Bildgegenstands aufrechterhalten. Die dadurch ausgelöste Irritation, der Eindruck, unsichtbarer Betrachter einer intimen Szene zu sein, die aber gleichzeitig keinerlei Befriedigung des voyeuristischen Blicks in Aussicht stellt, ist Teil der Strategie der Bilder. Mit ihnen konfrontiert, gewahrt der auf die Maximierung produktiver Effizienz ausgerichtete Zeitgenosse das Versagen seiner angelernten Beurteilungskategorien. Was sich hinter der schützenden zweiten Haut, dem Image, verbirgt, das durch Haltung, Kleidung, Haarschnitt und Styling der Dargestellten angedeutet wird, bleibt offen. Das Thema ist nicht die Sinnsuche des um eine Selbstdefinition bemühten Individuums. Zeitzeugen sind die Dargestellten vielmehr gerade aufgrund ihrer fast marionettenhaften Passivität. In sich versunken oder auf ein (wenn auch unbestimmtes) äußeres Geschehen wartend, scheinen sie aus dem Lauf der Zeit herausgehoben. Diese Entrücktheit ist ein Aspekt der Beauty of Intimacy, weil sie scheinbar dem Augenblick Dauer verleiht und damit das inhaltlich nachvollzieht, was die Künstler auf dem Papier und mit Hilfe der Kamera Wirklichkeit werden lassen.

Gezeigt werden Arbeiten von: 
Eija-Liisa Ahtila, Matthew Antezzo, Carel Balth, Vanessa Beecroft, Henry Bond, Patrick van Caeckenbergh, Maurizio Cattelan, René Daniëls, A.K. Dolven, Marlene Dumas, Rineke Dijkstra, Angus Fairhurst, Alicia Framis, Michel François, Daan van Golden, Douglas Gordon, Peter Halley, Lothar Hempel, Noritoshi Hirakawa, Damian Hirst, Fabrice Hybert, Sarah Jones, Raoul de Keyser, Job Koelewijn, Peter Land, Sharon Lockhart, Fabian Marcaccio, Hellen van Meene, Ulrich Meister, Tatsuo Miyajima, Mariko Mori, Mark Morrisoe, Vik Muniz, Shirin Neshat, Chris Ofili, Catherine Opie, Gabriel Orozco, Laura Owens, Jorge Pardo, Raymond Pettibon, Elisabeth Peyton, Richard Prince, Pipilotti Rist, Sam Samore, Karin Sander, Anne-Marie Schneider, Collier Schorr, Kiki Smith, Thomas Struth, Hiroshi Sugimoto, Vibeke Tandberg, Wolfgang Tillmans, Rikrit Tiravanija, Rosemarie Trockel, Luc Tuymans, M. v. Warmerdam, Gillian Wearing, Rachel Whiteread, Yukinori Yanagi.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Gemeentemuseum Den Haag und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, Konzept und Realisation: Carel Balth. Es liegt ein Katalogbuch mit Texten von Carel Balth, Hans Locher und Margrit Brehm auf (ATS 330,- € 24,-)

Kurator: Carel Balth

Sponsoren: Bundeskanzleramt Sektion Kunst, Stadt Innsbruck, Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer, für das BesucherInnenservice Land Tirol. Der Kunstraum Innsbruck ist Ö1-Club-Partner. - Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Gemeentemuseum Den Haag und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden.

 
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