Louise Bourgeois ist eine der bedeutendsten und herausragendsten Künstlerinnen
des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Diese Position ist das Resultat
eines 90-jährigen Lebens und der ständigen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit
diesem, den Menschen, Orten und Erfahrungen eines Lebens als Tochter, junge Künstlerin,
Ehefrau, Mutter und letztendlich einer ungemein produktiven Phase künstlerischer Arbeit
im hohen Alter. Gerade mit den Arbeiten der letzten 20 Jahre hat Louise
Bourgeois einen einzigartigen Stellenwert in der Entwicklung der Moderne bekommen und die Phasen
ihres Werks zu einem schlüssigen Höhepunkt geführt.
Geboren in Paris und dort mit den Proponenten der damaligen Moderne konfrontiert, ging
sie 1938 mit ihrem amerikanischen Ehemann nach New York. Dort zog sie 3 Söhne auf und
knüpfte an die ersten malerischen Pariser Arbeiten zunehmend mit plastischen Werken an,
die über die Jahre immer komplexer und raumbezogener wurden. Dabei war die Entwicklung
ihres künstlerischen Denkens immer von einer zeichnerischen Praxis geprägt, gerade in den
Jahren in denen räumliche Einschränkungen und familiäre Pflichten einen dauernden Kampf
um eigene Identität und die Weiterführung der künstlerischen Arbeit bedeuteten.
Wer Louise Bourgeois heute trifft begegnet einer hellwachen und lebenslustigen 90-jährigen,
die in vollem Bewußtsein und mit den Erfahrungen eines langen Lebens und intensiver Arbeit
konzentriert an ihrem immer intensiver werdenden Werk arbeitet. Nichts in ihrem Wesen
scheint an Oberflächlichkeit interessiert, es sind die Fragen, die sie auf unnachahmliche
Weise als Methode des Denkens und Erinnerns stellt und ihre absolute Offenheit auch und
gerade was Persönliches betrifft. Mehr als ihre Kunst interessieren sie die Menschen und das
eigene Menschsein und anstatt einer Theorie anzuhängen, ist es die unbedingte Freiheit mit
der sie sich allen Aspekten des Menschlichen zuwendet und in Ihrer eigenen Biografie und
vor allem Kindheit alle Anstöße und Motive für ihre Arbeit findet.
Louise Bourgeois studierte in einer Zeit Kunst, als Künstlerinnen noch die Ausnahme in einer
männlich dominierten Welt waren. Gerade das intensive und ehrliche Interesse vieler junger
Künstlerinnen und Künstler an Person und Werk von Louise Bourgeois zeigen, wie sehr
gerade ihre Entwicklung ein zentraler Bestandteil eines Paradigmenwechsels in Gesellschaft
und Kunst ist. Der Bogen zwischen der jugendlichen Individualität und Frische und der reifen
Reflexion im Werk von Louise Bourgeois ist vor diesem Hintergrund ein signifikanter Ausdruck
für unsere Situation zu Beginn des neuen Jahrtausends.
Die Ausstellung im Kunstraum Innsbruck zeigt eine Auswahl von zeichnerischen, grafischen
und plastischen Arbeiten der 90er Jahre. Höhepunkt ist eine komplexe Arbeit aus der
Cell-Serie, die Passage Dangereux. Das Werk der nun 90jährigen Künstlerin ist mit stets noch
zunehmender Intensität und überraschender Frische signifikanter Ausdruck für unsere Situation
zu Beginn des neuen Jahrhunderts.
Die Erkundung der raumgreifenden käfigartigen Skulptur mit all ihren bizarren Stücken führt in
die eigene und die Erinnerung der Künstlerin: „My name is Louise Josephine Bourgeois. I was
born 24 December 1911, in Paris. All my work in the past fifty
years, all my subjects, have found their inspiration in my
childhood. My childhood has never lost its magic, it has never lost its
mystery, and it has never lost its drama."
Die Ausstellung ist eine Koproduktion mit der Akademie der Bildenden Künste Wien, die Louise
Bourgeois letztes Jahr die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat und entsteht in Zusammenarbeitmit Cheim & Read Gallery, New York; der Galerie Hauser & Wirth, Zürich und der Sammlung
Hauser und Wirth, St. Gallen/Schweiz. |
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