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Der Hang zur Beharrlichkeit
 
8. April - 17. Juni 2000
Abseits des beschleunigten Tempos des jeweiligen Zeitgeistes der letzten Jahrzehnte haben eine Handvoll Künstler ein Werk geschaffen, das sich ausnahmslos durch Treue zu einer Grundentscheidung hinsichtlich ihres künstlerischen Wirkens auszeichnet. Die Werke der Künstler, die in dieser Ausstellung das erste Mal zusammengeführt werden, bestechen durch die Beharrlichkeit, in der sich das einmal geschaffene, über alle Zeiten und Stile hinweg gültige Vertrauen in diese eine Entscheidung manifestiert. Dies sogar über Dekaden hinweg, in denen der Geist des Pluralismus herrschte und in denen daher auch häufiger die Abkehr von einem Stil - auch im Sinne einer persönlichen Identität - gesucht wurde, als dass dieser bestätigt wurde. Die Künstler, die hier in Betracht zu ziehen sind, sind vor allem Bernd und Hilla Becher, Hanne Darboven, Dan Flavin, On Kawara, Julie Knifer, Roman Opalka, Fred Sandback und Niele Toroni.
Alle diese Künstler haben ihr Werk in den frühen 60er bis 70er Jahren begründet und ihre Entscheidung, eine einzige formale Einheit oder konzeptionelle Idee zum ausschließlichen Inhalt eines bis in die Gegenwart dauernden Arbeitsprozesses zu bestimmen, somit schon sehr frühzeitig getroffen.

Diese Entscheidung setzt ein radikal künstlerisches Bewusstsein und eine Haltung voraus, die den "Einsatz des ganzen Lebens" (Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) erforderte und auch weiterhin erfordert. Im Rückblick erscheint es, als ob diese Künstler die Dauer und die Beharrlichkeit überhaupt erst als Vorbedingung betrachtet haben, um ein Kunstwerk nach seiner Herkunft und seinem Bestand zu befragen. Dabei resultiert die methodische Strategie der Wiederholung ein und desselben Konzeptes oder Motivs eben nicht aus dem Hang nach quantitativer Verbreitung, sondern sie sind das Ergebnis einer planvoll bestimmten Richtung des künstlerischen Schaffens, durch die die Künstler den Standpunkt ihrer autoreflexiven Beziehung gegenüber dem Ausgangspunkt und anderer Determinanten ihrer Arbeit manifestieren.

Vielleicht lässt sich die auffallend ähnliche konzeptuelle, extrem gleichförmige Art der Werk- und Arbeitsorganisation anhand eines Tagebucheintrags von Yves Klein veranschaulichen, der eine Geschichte aus dem alten Persien notierte: Ein Flötenspieler begann eines Tages, einen lang gezogenen Ton zu spielen. Als er damit nun an die 20 Jahre fortfuhr, gab ihm seine Frau zu bedenken, dass doch alle anderen Flötenspieler mehrere Töne und ganze Melodien zustande brächten und dass das doch vielleicht abwechslungsreicher sei. Der Flötenspieler aber antwortete, dass es nicht sein Fehler sei, wenn er die Note schon gefunden hätte, nach der die anderen immer noch suchten.

Die Ausstellung Der Hang zur Beharrlichkeit untersucht exemplarisch anhand je eines Früh- und eines Spätwerkes die Gültigkeit und Aktualität solcher künstlerischer Haltungen - und das in einer Zeit, in der Künstler zunehmend über die Fähigkeit verfügen, ihre Arbeiten auf die jeweiligen aktuellen, "zeitgeistigen" Erfordernisse abzustimmen.

Kurator Udo Kittelmann
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Aus einem umfassenden Verständnis der Gegenstände heraus, der Kenntnis ihrer unterschiedlichen Darstellungsformen und ihrer funktionalen Zusammenhänge haben sie eine Bildsystematik entwickelt, die unverkennbar ihre Handschrift trägt. Sie lässt jedoch - und darin wäre sie den Datumsbildern von On Kawara vergleichbar - keine künstlerischen Entwicklungsstufen im herkömmlichen Verständnis erkennen.

Susanne Lange über Bernd und Hilla Becher


By doing it, it becomes not more and more, because it's already there, but clearer and clearer.

Hanne Darboven


Ich weiß, dass ich jeden beliebigen Teil meines fluoreszierenden Lichtsystems auf adäquate Weise wiederholen kann. Elemente der Teile dieses Systems ändern sich ganz einfach mit der jeweiligen Installationssituation. Es haftet ihnen keinerlei Geschichte an ... Alle meine Diagramme, selbst die ältesten, scheinen immer wieder anwendbar zu sein.

Dan Flavin


Der Einsatz des Werkes heißt modern zu sein! Die Gewalttätigkeit dieser Bedingung zieht den Entschluss nach sich, Date Paintings auszuführen, ungeachtet der Kunst, die sich, um zeitgenössisch zu sein, abmüht, dem Geschmack des Tages zu folgen.

René Denizot über On Kawara


Ich habe bereits mein letztes, aber noch nicht mein erstes Bild gemalt.

Julije Knifer


Vor fast dreißig Jahren stand ich vor einer Leinwand, die ich ganz mit schwarzer Farbe überzogen hatte; einen Becher mit weißer Farbe in der Linken und einen Pinsel in der Rechten, noch zögerlich ob der Bewegung, kreisten all meine Gedanken um die Begründung meiner Entscheidung. Bebend vor Aufregung angesichts der Verrücktheit eines solchen Unternehmens, tauchte ich den Pinsel in den Becher, hob langsam den Arm und brachte mit zitternder Hand oben links, ganz am Rand der Leinwand, die 1 als erstes Zeichen an.

Roman Opalka


Ich habe das hartnäckige Gefühl, dass alle meine Skulpturen Teil einer bleibenden Einstellung und Beziehung zu den Dingen sind.

Fred Sandback


Das ist immer das gleiche scheint mir wirklich die dümmste aller Ausreden zu sein; die Ausrede von jemandem, der sagen könnte: gehen ist immer das gleiche, nämlich einen Fuß vor den anderen setzen, also gehe ich nicht mehr, wenn ich nicht das Neue, eine neue Art zu gehen finde.

Niele Toroni
 
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